Wenn man zu Hause ins Internet geht, führt der erste Weg fast immer durch ein unscheinbares Gerät: den Router. Er steht still in der Ecke, oft neben der Telefonbuchse oder dem Glasfaseranschluss, und blinkt mit ein paar LEDs. Auf den ersten Blick wirkt er unspektakulär – doch tatsächlich ist er das Tor zur Welt. Ohne Router würden wir nicht mit anderen Netzen sprechen können, geschweige denn mit dem Internet.
Was macht ein Router eigentlich?
Ein Router verbindet zwei oder mehr Netzwerke miteinander und entscheidet, welchen Weg Datenpakete nehmen müssen. In den meisten Haushalten sind das:
- Das interne Heimnetz mit PCs, Smartphones, Druckern und Smart-Home-Geräten.
- Das Netz des Internetproviders, das uns den Zugang zum globalen Internet verschafft.
Der Router ist also eine Art Übersetzer und Wegweiser zugleich. Er nimmt Daten aus dem Heimnetz, schaut nach, wo sie hinmüssen, und leitet sie entsprechend weiter.
Router vs. Switch – ein wichtiger Unterschied
Oft werden Switches und Router verwechselt, weil beide viele Kabelanschlüsse haben. Doch ihre Aufgaben unterscheiden sich:
- Switches arbeiten innerhalb eines Netzwerks und leiten Daten anhand der MAC-Adressen weiter.
- Router verbinden verschiedene Netzwerke miteinander und treffen Entscheidungen anhand von IP-Adressen.
Man könnte sagen: Der Switch organisiert den Verkehr innerhalb einer Stadt, während der Router die Autobahnen zwischen Städten kontrolliert.
Der Heimrouter – eierlegende Wollmilchsau
In modernen Haushalten ist der Router ein echtes Multitalent. Typische Funktionen sind:
- Routing: Weiterleiten von Paketen zwischen Heimnetz und Internet.
- NAT (Network Address Translation): Übersetzt private IP-Adressen (192.168.x.x) in die öffentliche Adresse des Providers.
- DHCP-Server: Verteilt automatisch IP-Adressen an alle Geräte.
- Firewall: Blockiert unerwünschte Zugriffe von außen.
- WLAN-Access-Point: Stellt kabellose Verbindungen bereit.
- Switch-Funktion: Mehrere LAN-Ports, um Geräte per Kabel anzuschließen.
Geräte wie die Fritz!Box sind Paradebeispiele: Router, Modem, Telefonanlage, WLAN-Basisstation – alles in einem Gerät.
Routing-Tabellen – der innere Kompass
Damit ein Router weiß, wohin er ein Paket schicken soll, führt er eine Routing-Tabelle. Diese Tabelle enthält Einträge wie:
- „192.168.0.0/24 → bleib hier im Heimnetz.“
- „Alles andere → sende an den Provider.“
In kleinen Netzen reicht oft eine Standardroute (Default Gateway). In größeren Netzen, etwa bei Unternehmen, gibt es viele Routen zu verschiedenen Subnetzen. Router vergleichen dann, welcher Eintrag am besten passt.
Router im Unternehmensumfeld
Während im Heimnetz meist ein einzelner Router genügt, sieht es in Unternehmen anders aus. Dort gibt es oft:
- Edge-Router: Am Übergang zum Internet.
- Core-Router: Im Zentrum des Firmennetzes, verbinden verschiedene Abteilungen oder Standorte.
- Verteilungs-Router: Organisieren den Verkehr zwischen kleineren Netzen.
Diese Geräte sind leistungsfähiger, oft redundant ausgelegt (also doppelt vorhanden), um Ausfälle zu vermeiden. Sie müssen täglich Millionen von Paketen verarbeiten, ohne ins Schwitzen zu geraten.
Routing-Protokolle – wenn Router miteinander reden
In großen Netzen können Administratoren nicht jede Route manuell eintragen. Deshalb nutzen Router Routing-Protokolle, mit denen sie sich gegenseitig informieren.
- RIP (Routing Information Protocol): Einfach, aber veraltet.
- OSPF (Open Shortest Path First): Weit verbreitet, findet den besten Weg anhand von Kosten.
- BGP (Border Gateway Protocol): Das Protokoll des Internets, verbindet ganze Provider-Netze.
Man könnte sagen: Routing-Protokolle sind die Navigationssysteme der Router. Sie tauschen ständig Informationen aus, wo Staus sind und welche Wege am besten funktionieren.
NAT – viele Geräte, eine Adresse
Ein wichtiger Bestandteil moderner Router ist Network Address Translation (NAT). Es sorgt dafür, dass viele Geräte im Heimnetz gleichzeitig über eine einzige öffentliche IP-Adresse ins Internet gehen können.
Beispiel:
- Laptop: 192.168.0.12
- Smartphone: 192.168.0.15
- Smart-TV: 192.168.0.20
Alle diese Geräte senden Anfragen ins Internet. Der Router übersetzt sie in seine öffentliche Adresse, z. B. 85.176.12.34. Für die Gegenstelle sieht es so aus, als käme alles von einer einzigen Adresse. Der Router behält im Hintergrund Buch darüber, welches Antwortpaket zu welchem Gerät gehört.
Router und Sicherheit
Da der Router das Tor zur Welt ist, spielt er eine zentrale Rolle in der Sicherheit. Ein unsicherer Router ist wie eine Haustür ohne Schloss.
Typische Sicherheitsmaßnahmen:
- Firewall-Funktion: Standardmäßig sind alle eingehenden Verbindungen blockiert.
- Portfreigaben bewusst setzen: Nur wenn nötig, z. B. für Spiele oder Server.
- Firmware aktuell halten: Hersteller liefern regelmäßig Updates gegen Sicherheitslücken.
- Standardpasswörter ändern: „admin/admin“ ist ein gefundenes Fressen für Angreifer.
- VPN einrichten: Sichere Zugänge von außen.
Router in der Cloud und im Backbone
Auch in der großen Welt des Internets spielen Router eine Schlüsselrolle. Provider betreiben riesige Backbone-Router, die Datenströme mit Geschwindigkeiten von 100 Gbit/s und mehr verarbeiten. Diese Geräte sind hochspezialisiert, redundant und kosten schnell mehrere hunderttausend Euro.
In der Cloud übernehmen Router oft virtuelle Rollen. Ein „virtueller Router“ ist nur Software, die auf einem Server läuft, aber dennoch dieselben Aufgaben erfüllt.
Ein kleines Beispiel aus dem Alltag
Du sitzt mit deinem Laptop auf der Couch und öffnest eine Webseite.
- Dein Laptop weiß: Zieladresse liegt außerhalb meines Subnetzes. Also schickt er die Anfrage an den Router.
- Der Router prüft: „Alles, was nicht lokal ist, leite ich ins Internet.“
- Dein Provider bekommt das Paket, leitet es weiter an andere Router.
- Nach einigen Hops erreicht es den Zielserver.
- Die Antwort nimmt den Weg zurück – und landet wieder bei deinem Router.
- Der Router erkennt: „Dieses Paket gehört zu 192.168.0.12.“ und leitet es an deinen Laptop.
All das passiert in Millisekunden, und du merkst nichts davon.
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