Wenn man von „dem Netzwerk“ spricht, klingt es oft so, als gäbe es nur eine einzige Sorte. Doch in Wahrheit gibt es viele verschiedene Netzwerk-Typen – angepasst an Größe, Reichweite und Einsatzzweck. Dein Heimnetz funktioniert anders als das Netz in einem Konzern, und beide sind völlig unterschiedlich vom weltweiten Internet.
In diesem Artikel gehen wir Schritt für Schritt durch die wichtigsten Typen: LAN, WAN, WLAN, MAN und VPN. Dabei erfährst du, wo du ihnen im Alltag begegnest, wie sie technisch funktionieren und warum die Unterscheidung wichtig ist.
LAN – das lokale Netzwerk
Das Local Area Network (LAN) ist die kleinste und gleichzeitig wichtigste Form. Es beschreibt ein Netzwerk, das sich auf einen räumlich begrenzten Bereich erstreckt – etwa dein Zuhause, ein Büro oder ein Uni-Gebäude.
- Typische Größe: wenige Meter bis ein Gebäude.
- Medien: Ethernet-Kabel, Switches, Access Points.
- Geschwindigkeiten: heute standardmäßig 1 Gbit/s, mit modernen Switches bis 10 oder 40 Gbit/s.
Im LAN sind die Geräte direkt miteinander verbunden. Das sorgt für hohe Geschwindigkeit und niedrige Latenz.
👉 Alltagsbeispiel: Dein Laptop hängt per Kabel oder WLAN am Router, der Drucker ist ebenfalls verbunden, und du kannst direkt Dateien dorthin schicken.
WLAN – die drahtlose Variante des LAN
Das Wireless Local Area Network (WLAN) ist streng genommen kein eigener Netzwerktyp, sondern eine drahtlose Erweiterung des LANs.
- Frequenzbereiche: 2,4 GHz, 5 GHz, seit Wi-Fi 6E auch 6 GHz.
- Standards: IEEE 802.11a/b/g/n/ac/ax (Wi-Fi 4/5/6/7).
- Vorteile: keine Kabel nötig, flexibel, mobil.
- Nachteile: Reichweite begrenzt, anfälliger für Störungen.
In fast jedem Haushalt ist WLAN heute das Synonym für „Internet“. Aber technisch betrachtet ist es nur ein Zugangspunkt ins LAN, nicht das Internet selbst.
👉 Alltagsbeispiel: Du gehst in ein Café, verbindest dich mit dem WLAN – und bist Teil des lokalen Netzwerks des Cafés.
WAN – das große weite Netz
Das Wide Area Network (WAN) verbindet Netzwerke über große Distanzen hinweg. Während ein LAN ein Gebäude abdeckt, kann ein WAN Städte, Länder oder sogar Kontinente verbinden.
- Beispiele:
- Das Netzwerk eines Unternehmens mit mehreren Standorten.
- Das Internet selbst – das größte WAN überhaupt.
- Technologien: Glasfaserleitungen, Standleitungen, MPLS, Satellitenverbindungen, Mobilfunk.
Ein WAN ist wie ein Straßennetz, das Städte miteinander verbindet. Ohne WANs gäbe es keine globale Kommunikation.
👉 Alltagsbeispiel: Eine Firma mit Büros in Berlin, Hamburg und München vernetzt die Standorte über ein WAN, damit alle Mitarbeiter Zugriff auf dieselben Systeme haben.
MAN – die Zwischenstufe
Das Metropolitan Area Network (MAN) ist eine Zwischenform zwischen LAN und WAN. Es deckt eine ganze Stadt oder Region ab.
- Typisches Szenario: Ein Stadtnetz, das Schulen, Behörden oder Unternehmen verbindet.
- Technologie: oft Glasfaser, manchmal Richtfunk.
- Reichweite: wenige bis einige Dutzend Kilometer.
Für den Endnutzer bleibt ein MAN unsichtbar, doch es bildet das Rückgrat vieler Provider und städtischer Infrastrukturen.
👉 Alltagsbeispiel: Dein Internetanbieter betreibt ein MAN, um die Haushalte einer Stadt an sein zentrales Rechenzentrum anzubinden.
VPN – das Netz im Netz
Ein Virtual Private Network (VPN) ist kein physisches Netzwerk, sondern eine logische Verbindung innerhalb eines bestehenden Netzes. Mit einem VPN lassen sich Daten verschlüsselt durch ein unsicheres Medium wie das Internet schicken.
- Funktionsweise: Dein Gerät baut einen verschlüsselten Tunnel zu einem VPN-Server auf. Ab dann laufen alle Daten verschlüsselt durch diesen Tunnel.
- Anwendung:
- Mitarbeiter greifen von unterwegs sicher auf das Firmennetz zu.
- Privatnutzer schützen sich in offenen WLANs.
- Manche nutzen VPNs, um Geoblocking zu umgehen.
Ein VPN ist wie eine geheime Röhre im öffentlichen Straßennetz: Egal wie viele andere Autos außen herum fahren – deine Fahrt bleibt privat.
Warum diese Unterscheidungen wichtig sind
Auf den ersten Blick mögen diese Begriffe nach Fachchinesisch klingen. Aber sie sind praktisch relevant:
- Heimnetz: Wer versteht, was ein LAN ist, kann WLAN-Probleme besser einordnen.
- Unternehmen: Admins planen Netze je nach Größe und Standortverteilung (LAN für Büros, WAN für Verbindungen zwischen Standorten).
- Sicherheit: Ob Daten im LAN, über ein WAN oder per VPN laufen, entscheidet über die Risiken und Schutzmaßnahmen.
Beispiel: Ein Datenleck im LAN betrifft nur ein Gebäude, ein kompromittiertes VPN kann dagegen das gesamte Unternehmensnetz gefährden.
Historische Entwicklung – vom LAN zum Internet
- 1970er: Erste LANs entstehen, oft auf Basis von Koaxialkabeln.
- 1980er: Ethernet setzt sich als Standard durch.
- 1990er: WAN-Technologien wie ISDN und ATM vernetzen Standorte.
- 2000er: WLAN wird massentauglich.
- Heute: VPNs und Cloud-Infrastrukturen sind Alltag, und das Internet selbst ist das größte WAN.
Diese Entwicklung zeigt: Die Grenzen verschwimmen. Ein modernes Heimnetz nutzt LAN, WLAN, WAN und VPN gleichzeitig.
Typische Kombinationen im Alltag
- Homeoffice: Laptop → WLAN → Router (LAN) → Internet (WAN) → Firmen-VPN → internes Firmennetz.
- Smartphone unterwegs: Handy → 5G (WAN) → Internet → VPN → Streaming-Dienst.
- Unternehmen: PCs im LAN, Abteilungen logisch getrennt (VLANs), Standorte über WAN vernetzt, Zugriffe per VPN gesichert.
So komplex es wirkt – für den Nutzer reicht oft ein Klick, um online zu sein.
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