Teil 28: Zero Trust Networks – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Früher war Netzwerksicherheit wie ein Burggraben: Außen die Angreifer, innen die sicheren Systeme. Wer es über die Zugbrücke schaffte, konnte sich frei bewegen. Dieses Modell funktionierte, solange Netzwerke klar abgegrenzt waren – zum Beispiel ein Firmengebäude mit Servern im Keller. Doch mit Homeoffice, Cloud, mobilen Geräten und IoT verschwinden die Grenzen. Heute gilt: „Vertraue niemandem – weder außen noch innen.“ Das ist die Grundidee von Zero Trust Networks.


Warum klassische Sicherheitsmodelle nicht mehr ausreichen

Traditionelle Netzwerksicherheit basierte auf dem Perimeter-Modell:

  • Außen: das unsichere Internet.
  • Innen: das sichere Unternehmensnetz.
  • Dazwischen: Firewalls und VPNs.

Doch dieses Modell stößt an Grenzen:

  • Mitarbeiter arbeiten von überall (Homeoffice, unterwegs).
  • Daten und Anwendungen liegen in der Cloud, nicht mehr nur intern.
  • Angreifer, die einmal ins Netz eindringen, können sich seitlich bewegen (Lateral Movement).
  • Insider-Bedrohungen nehmen zu – nicht jeder im Netzwerk ist vertrauenswürdig.

Zero Trust löst dieses Schwarz-Weiß-Denken auf.


Grundprinzipien von Zero Trust

Zero Trust ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Sicherheitskonzept. Es basiert auf einigen Kernprinzipien:

  • Never trust, always verify: Jeder Zugriff muss überprüft werden – egal, ob er von innen oder außen kommt.
  • Least Privilege: Nutzer und Geräte bekommen nur die minimal notwendigen Rechte.
  • Mikrosegmentierung: Das Netzwerk wird in viele kleine Zonen unterteilt. Ein Angreifer kann sich nicht einfach weiterbewegen.
  • Kontinuierliche Überprüfung: Ein einmaliges Login reicht nicht. Identität und Verhalten werden fortlaufend kontrolliert.
  • Sichtbarkeit und Protokollierung: Alle Aktivitäten werden überwacht und analysiert.

Technologische Bausteine

Um Zero Trust umzusetzen, braucht es verschiedene Technologien, die zusammenspielen:

  • Starke Authentifizierung:
    • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).
    • Biometrische Verfahren.
    • Zertifikatsbasierte Authentifizierung.
  • Identity & Access Management (IAM):
    • Verwaltung von Nutzern, Rollen und Rechten.
    • Single Sign-On (SSO) für Komfort.
  • Netzwerksegmentierung:
    • VLANs und Software-Defined Networking (SDN).
    • Mikrosegmentierung mit Lösungen wie VMware NSX.
  • Endpoint Security:
    • Prüfung des Gerätestatus (z. B. aktuelle Patches, Virenschutz).
    • Zugriff nur für vertrauenswürdige Geräte.
  • Security Monitoring:
    • SIEM-Systeme für Echtzeitanalyse.
    • Anomalieerkennung durch Machine Learning.

Vorteile von Zero Trust

Ein Zero-Trust-Ansatz bringt viele Vorteile für Unternehmen:

  • Bessere Sicherheit: Selbst wenn ein Angreifer ins Netz gelangt, kann er sich nicht ungehindert ausbreiten.
  • Flexibilität: Mitarbeiter können sicher von überall arbeiten.
  • Transparenz: Jedes Gerät und jeder Nutzer ist sichtbar und nachvollziehbar.
  • Compliance: Erleichtert die Einhaltung von Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben.

Herausforderungen bei Zero Trust

So sinnvoll das Konzept ist, es bringt auch Schwierigkeiten mit sich:

  • Komplexität: Einführung erfordert neue Tools und Prozesse.
  • Kosten: Lizenzen, Infrastruktur und Schulungen sind teuer.
  • Akzeptanz: Mitarbeiter empfinden zusätzliche Authentifizierungsschritte als störend.
  • Integration: Bestehende Systeme müssen angepasst oder ersetzt werden.

Zero Trust ist daher eher eine Reise als ein Ziel.


Zero Trust in der Praxis

Wie könnte das konkret aussehen? Ein Beispiel aus einem Unternehmen:

  • Ein Mitarbeiter möchte von zu Hause aus auf eine interne CRM-Anwendung zugreifen.
  • Statt pauschalem VPN-Zugang prüft das System:
    • Identität (Benutzername + Passwort + MFA).
    • Gerät (ist es registriert, aktuell gepatcht, ohne Malware?).
    • Kontext (ungewöhnlicher Standort oder Uhrzeit?).
  • Erst wenn alles passt, wird der Zugriff gewährt – aber nur auf die CRM-Anwendung, nicht auf andere Systeme.

So bleibt der Schaden minimal, selbst wenn Zugangsdaten in falsche Hände geraten.


Zero Trust und Cloud

Die Cloud ist ein wichtiger Treiber für Zero Trust. Dort gibt es keinen klaren Perimeter – Anwendungen liegen verteilt, Nutzer greifen von überall zu.

Cloud-Anbieter unterstützen Zero Trust mit Funktionen wie:

  • Feingranulare Zugriffskontrollen (IAM).
  • Netzwerksegmentierung in VPCs.
  • Logging und Monitoring.

In Kombination mit Zero Trust wird die Cloud sicherer und transparenter.


Zero Trust und Remote Work

Die Corona-Pandemie hat den Bedarf deutlich gemacht: Millionen Menschen arbeiten remote. Klassische VPNs stoßen an Grenzen – sie geben oft zu viele Rechte.

Zero Trust bietet eine Lösung:

  • Zugriff nur auf benötigte Anwendungen.
  • Kontinuierliche Überprüfung von Identität und Geräten.
  • Schutz auch bei unsicheren Heimnetzwerken.

Damit können Unternehmen Remote Work sicher und effizient ermöglichen.


Beispiel für eine Bedrohungslage

Ein Angreifer erbeutet Zugangsdaten eines Mitarbeiters.

  • In einem klassischen Netzwerk: Mit VPN-Zugang hat er Zugriff auf viele Systeme. Von dort kann er lateral ins gesamte Netzwerk eindringen.
  • In einem Zero-Trust-Netzwerk: Der Zugriff wird zusätzlich durch MFA blockiert. Selbst mit gültigen Daten kommt der Angreifer nicht weit. Und falls er es schafft, ist der Zugriff auf eine einzige Anwendung beschränkt.

So reduziert Zero Trust die Auswirkungen von Angriffen drastisch.


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