Wenn Daten sich bewegen, brauchen sie einen Weg. Mal reisen sie durch ein Kabel, mal schweben sie durch die Luft. Man könnte sagen: Netzwerke sind wie Straßennetze – und die Übertragungsmedien sind die Straßenbeläge. Manche sind robust und breit wie Autobahnen, andere flexibel, aber manchmal holprig wie Feldwege.
In diesem Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Transportwege der Netzwerke an: Kupferkabel, Glasfaser, WLAN und Mobilfunk. Wir betrachten ihre Vor- und Nachteile, wo sie im Alltag genutzt werden und warum die Wahl des Mediums entscheidend für Geschwindigkeit und Stabilität ist.
Kupferkabel – der Klassiker
Kupferkabel sind seit Jahrzehnten das Rückgrat der Netzwerke. Das bekannteste ist das Twisted-Pair-Kabel (Ethernet).
Aufbau
- Mehrere Adernpaare sind verdrillt, um Störungen zu reduzieren.
- Standardisierte Kategorien (Cat 5e, Cat 6, Cat 7, Cat 8) bestimmen die Qualität und Geschwindigkeit.
Leistung
- Reichweite: meist bis zu 100 Meter pro Kabelstrecke.
- Geschwindigkeit: von 100 Mbit/s (alt) bis zu 10 oder sogar 40 Gbit/s mit hochwertigen Kabeln.
Vorteile
- Günstig und leicht zu verlegen.
- Sehr zuverlässig, kaum störanfällig.
- Standard in fast jedem LAN.
Nachteile
- Reichweite begrenzt.
- Bei hohen Geschwindigkeiten (10 Gbit/s+) steigt die Anforderung an Qualität und Verlegung.
👉 Alltagsbeispiel: Dein PC ist per LAN-Kabel am Router angeschlossen. Das sorgt für stabile und schnelle Verbindungen – perfekt fürs Gaming oder große Downloads.
Glasfaser – die Datenautobahn
Während Kupfer elektrische Signale überträgt, setzt Glasfaser auf Licht. Ein Laser oder eine LED schickt Lichtimpulse durch dünne Glasfasern – schneller und über größere Distanzen als jedes Kupferkabel.
Aufbau
- Dünner Glas- oder Kunststofffaden im Kern.
- Umhüllung schützt vor Knicken und Störungen.
- Arten: Singlemode (für lange Strecken) und Multimode (für kürzere Distanzen).
Leistung
- Reichweite: von einigen Hundert Metern (Multimode) bis zu Hunderten Kilometern (Singlemode).
- Geschwindigkeit: mehrere 100 Gbit/s, theoretisch Terabit-Bereiche.
Vorteile
- Extrem hohe Bandbreiten.
- Sehr geringe Signalverluste.
- Immun gegen elektromagnetische Störungen.
Nachteile
- Teurer als Kupfer.
- Empfindlicher bei Installation und Reparatur.
👉 Alltagsbeispiel: Dein Internetanbieter bringt Glasfaser bis ins Haus. Statt „bis zu 250 Mbit/s“ wie bei DSL bekommst du stabile 1 Gbit/s oder mehr – auch wenn die ganze Familie gleichzeitig streamt.
WLAN – flexibel, aber störanfällig
WLAN ist die drahtlose Erweiterung des LAN. Statt Kabel nutzt es Funkwellen, meist im 2,4- oder 5-GHz-Band.
Funktionsweise
- Geräte kommunizieren über einen Access Point.
- Datenpakete werden per Funk übertragen.
- Standards wie Wi-Fi 5 (802.11ac) oder Wi-Fi 6 (802.11ax) sorgen für Gigabit-Geschwindigkeiten.
Vorteile
- Keine Kabel nötig.
- Mobilität für Smartphones, Tablets, Laptops.
- Einfaches Hinzufügen neuer Geräte.
Nachteile
- Reichweite begrenzt (10–30 Meter in Gebäuden).
- Störanfällig durch Wände, Mikrowellen, Bluetooth-Geräte.
- Geteiltes Medium: Viele Nutzer = geringere Geschwindigkeit.
👉 Alltagsbeispiel: Du sitzt auf dem Balkon, dein Laptop streamt einen Film – kabellos, aber manchmal stockt das Bild, wenn Nachbars WLAN auf demselben Kanal funkt.
Mobilfunk – Netzwerke ohne Grenzen
Mobilfunknetze wie 4G (LTE) oder 5G sind ein Sonderfall: Sie bauen ein weitläufiges Funknetz auf, das Geräte unterwegs verbindet.
Funktionsweise
- Geräte verbinden sich mit Funkmasten.
- Daten laufen über das Netz des Providers ins Internet.
- Frequenzen werden zentral koordiniert.
Vorteile
- Weltweite Abdeckung.
- Hohe Geschwindigkeit (5G bis zu 10 Gbit/s).
- Ideal für unterwegs.
Nachteile
- Abhängig von Netzabdeckung und Provider.
- Shared Medium: Bei Großveranstaltungen kann es eng werden.
- Oft teurer als Festnetzlösungen.
👉 Alltagsbeispiel: Du sitzt im Zug und streamst ein YouTube-Video über 5G. Plötzlich fährst du durch einen Tunnel – das Signal bricht ab. Mobilfunk ist flexibel, aber nicht immer stabil.
Kombination der Medien – das Hybridnetz
Kaum ein modernes Netzwerk nutzt nur eine Technologie. Typischerweise sieht es so aus:
- Glasfaser als Backbone beim Provider.
- Kupferkabel oder Glasfaser bis zum Router im Haus.
- Switches und LAN-Kabel für stationäre Geräte.
- WLAN für mobile Geräte im Gebäude.
- Mobilfunk als Ergänzung für unterwegs.
Das Zusammenspiel sorgt dafür, dass wir überall online sein können – vom Wohnzimmer bis in den Urlaub.
Zukunftstrends
- Glasfaser bis zum Endgerät (FTTH): immer mehr Haushalte bekommen direkte Glasfaseranschlüsse.
- Wi-Fi 7: bringt noch höhere Geschwindigkeiten und geringere Latenz ins WLAN.
- 5G & 6G: mobile Netze mit Echtzeitfähigkeit, wichtig für autonomes Fahren und Industrie.
- Power over Ethernet (PoE): Kabel liefern nicht nur Daten, sondern auch Strom für Access Points oder Kameras.
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